Das Wesen des Rap

In Deutschland verbreitete sich der Hip-Hop und somit der Rap erst in den 1980er-Jahren. Dass sie von Anfang an auch Jugendliche mit Migrationshinterg

In Deutschland verbreitete sich der Hip-Hop und somit der Rap erst in den 1980er-Jahren. Dass sie von Anfang an auch Jugendliche mit Migrationshintergrund involvierte, die ähnliche Lebenssituationen und Alltagserlebnisse hatten, wie die Afroamerikaner in den USA, zieht sich bis heute durch die deutsche Hip-Hop-Szene. Die dort herrschenden Mechanismen waren für Jugendliche mit Migrationshintergrund und auch schwarze Jugendliche, eine Fortführung ihrer alltäglichen Erfahrungen.

Inhalte und Bestandteile

1979 veröffentlichte die amerikanische Gruppe Sugarhill Gang mit dem Track Rappers Delight den ersten kommerziell erfolgreichen Rapsong. Politische Inhalte waren nebensächlich. Der Song verstand sich vor allem als Unterhaltungs- und Partymusik. Der Übergang der Rap-Inhalte von reinem Spassfaktor zu politischer Ausdruckskraft vollzog sich langsam. Als Antwort auf alltäglich erlebte Phänomene wie Diskriminierung und Rassismus, die die amerikanische Gesellschaft prägten, begriffen die afroamerikanischen Rapper der urbanen Hip-Hop-Zentren der USA ihre Musik und Texte als Widerstandskultur.

Der Battle-Charakter von Live-Auftritten wurde nun in sogenannten Answer-Songs übernommen. Statt sich vor einem Gegenüber und einem Publikum zu beweisen, wurden jetzt Songs und Alben als Reaktion auf die anderer Künstler veröffentlicht. Ebenso konnten die Rapper auf Ansprachen von Politikern, Zeitungsmeldungen und andere öffentliche Diskurse eingehen und gaben sich als Teil einer diskriminierten Minderheit eine Stimme. Dies wurde und wird verstärkt durch Racial Solidarity: Solidaritätsbekundungen und Identifizierung mit Afroamerikanern (Black Nationalism), Muslimen oder Einwanderern (Emigrationism) steckten zwischen den gesellschaftlichen Gruppen, Gangs und Rap-Crews klare Grenzen ab. Thematisch findet sich von der musikalischen Tradition, Sozial- und Establishmentkritik, Gender-Diskurs und Liebesbeziehungen bis hin zu den afrikanischen Wurzeln, Spiritualität, Religion sowie Satire und Parodie im Hip-Hop alles.

Kritik und Politik

Rapper werden für für ihre verherrlichenden, protzigen Darstellungen von Kriminalität, Misogynie, Sexismus und Homophobie, Konsumrausch und Gewaltbereitschaft kontrovers gesehen und stark kritisiert.

Derartige übertriebene Darstellungen der eigenen Fähigkeiten stellen auch ein wichtiges stilistisches Mittel der Rap-Texte dar: das Boasting, die eigene Selbstüberhöhung, oder auch das Dissen des Gegners. Für die vielen metaphorischen Reime, die manchmal nur von einem Insiderpublikum verstanden werden konnten, gibt es darüber hinaus den Begriff Signifying: die Kunst der Sprachsymbolik. Neben der Balance zwischen klar verständlicher Sprache und komplexer Symbolik spielen der Rhythmus des gerappten Textes, der sogenannte Flow, sowie die formale Gestaltung eine große Rolle.

Macht durch Sprache

Für die Interpretation, Erläuterung, Entzifferung und intertextuellen Zusammenhänge sowie deren steigender Bedeutung, ist seit dem 21. Jahrhundert das Internet essenziell. Jeder Interessierte kann jederzeit jeden Track jedes Künstlers hören, herunterladen, kommentieren und darauf reagieren. Die verschiedenen Plattenlabel tragen ihren Teil dazu bei und haben somit enormen Einfluss auf die Rezipienten.

Der Einfluss der textlichen Inhalte ist sehr groß. Das Potential, das Fans und Interessenten erreichen kann, ist subversiv. Bedenkt man den Minoritätsfaktor und die Anti-Establishment-Attitüde der Texte, lässt sich der große Symbolcharakter von überhöhten Rap- Figuren und deren Titel erkennen. So schafft Rap-Musik einen Raum zur Formulierung eigener Standpunkte und stellt eine Gegenmacht zu etablierten Machtstrukturen dar. Die Benennung von sozialen und politischen Ungerechtigkeiten wird auf musikalischer Ebene geäußert und bietet eine Interaktionsfläche für Randgruppen und Minderheiten.